Sicherheit

Ratschläge zum Thema Sicherheit – nicht nur für Salvador.

Kriminalität

Dass dieser Teil der Seite jemals vollständig wird, ist nicht zu erwarten. Ob neue Vorgangsweisen oder alte in abgeänderter Form, die Kriminellen sind sehr einfallsreich wenn es darum geht, an Ihre Wertsachen zu gelangen. Das einzige Gegenmittel ist rechzeitige Information, weshalb ich meine Leser um ihre Erfahrungen und Vorschläge bitte. Gut informierte Reisende geraten viel weniger in kritische Situationen und so können wir alle zu mehr Sicherheit beitragen.

Man kann es nicht schönreden, Kriminalität ist ein ernstzunehmendes Thema, besonders in Salvador. Die meisten Gewaltverbrechen passieren zwar im Drogenmilieu, wo hauptsächlich Einheimische betroffen sind, aber auf Grund der Beschaffungskriminalität werden zunehmend auch Touristen Opfer von Überfällen und sogar Entführungen. Auch Armut ist ein Grund für Übergriffe auf Ausländer. Viele Fälle könnten bei richtigem Verhalten vermieden werden, deshalb hier einige Tipps:

1. Wenn Sie bei einem Spaziergang bemerken, dass die Gegend einsamer und ärmlicher wird, machen Sie unverzüglich kehrt. Lassen Sie sich nicht einfallen eine  Favela zu betreten, man nennt Sie dort „Filet Mignon“ und außerdem ist Armut keine Attraktion. Halten Sie sich, speziell bei Nacht, nur in belebten Gegenden mit ausreichender Polizeipräsenz, wie dem Pelourinho oder der Barra auf. Fragen Sie Ihren Vermieter, wo Sie sich einigermaßen sorglos bewegen  können. Wenn Sie mit Einheimischen feiern, bewahren Sie einen Rest von gesundem Mißtrauen und unterscheiden Sie zwischen freundlich und aufdringlich. Halten Sie die Augen offen, beobachten Sie Ihre Umgebung und lassen Sie sich nicht allzusehr von Schaufenstern oder ähnlichem ablenken.
2. Nehmen Sie für die Heimfahrt vom Nachtbummel grundsätzlich ein Taxi, auch bei kurzen Strecken. Verriegeln Sie in allen  Autos, auch in Taxis, die Tür von innen und schließen Sie das Fenster, besonders bei Stops in Staus oder an Kreuzungen.  Steigen Sie nicht in irgendwelche Autos ein, echte Taxis sind weiss und haben blau-rote Streifen mit der Gewerbenummer (Alvará) an der Autotür. Legen Sie Wertgegenstände nicht sichtbar auf die Ablage vor der Windschutzscheibe oder auf den Schoß, sondern auf den Boden. Akzeptieren Sie niemals die Mitnahme weiterer Personen in Ihrem Taxi.
3. Im Urlaub brauchen Sie keine Uhr und Schmuck lenkt nur von Ihrer natürlichen Schönheit ab. Lassen Sie daher alles zu Hause und verwahren Sie die unvermeidliche Digitalkamera in einer unauffälligen Plastiktüte. Haben Sie stets Kleingeld in verschiedenen Taschen und in ausreichender Menge bei sich, um das Bezahlen mit großen
Scheinen zu vermeiden.
4. Taschendiebstahl ist weit verbreitet, meistens sind es Kinder die im Gedränge versuchen mit flinken Fingern an Ihr Geld zu kommen. Verwahren Sie größere Geldbeträge nicht in leicht zugänglichen Hosentaschen, sondern versteckt am Körper. Kinder und Jugendliche können in der Gruppe aber auch gefährlich und sogar bewaffnet sein. Wenn Sie glauben, man zeigt verstärktes   Interesse – oder betontes Desinteresse, bei gleichzeitiger Annäherung – an Ihnen, wechseln Sie die Straßenseite oder legen Sie eine Pause in einem
gut  besuchten Lokal ein.
5.
Viele Überfälle werden – auch tagsüber – mit Motorrädern begangen. Man bleibt neben Ihnen stehen, zeigt Ihnen eine Waffe und verschwindet anschließend mit Ihren Wertsachen im Verkehrsgewühl. Rechnen Sie nicht mit der Hilfe von Tatzeugen. Fahrzeuge, die versuchen mit Ihnen Schritt zu halten oder sich langsam nähern, sind grundsätzlich verdächtig. Die Kriminellen sind meistens zu zweit und verbergen ihre Gesichter unter Sturzhelmen. Falls Ihnen so ein Motorrad auffällt, suchen Sie ein Geschäft oder ein Restaurant auf.
6. Mit dem Schließen der Geschäfte werden ab Samstag Mittag die Straßen in Salvador zusehends leerer und damit auch gefährlicher. Sonntags ist die Stadt wie ausgestorben und die Gefahr unangenehme Erfahrungen mit Straßenkriminalität zu machen ist nicht nur im Comércio (Untere Stadt) besonders groß. Machen Sie es wie die Einheimischen und verbringen Sie den Tag an einem der zahlreichen Stadtstrände.
7. Halten Sie sich nach Einbruch der Dunkelheit nur an belebten Stränden auf und bleiben Sie in der Nähe der Einheimischen. Ein einsamer, nächtlicher Strandspaziergang kann fatal enden.
8. Versuchen Sie niemals – auch nicht an Wochentagen – auf einer der steilen Straßen (ganz besonders Ladeira da Montanha) von der Unteren in die Obere Stadt zu gelangen, es sei denn Sie wollen einmal die Hauptrolle bei einem bewaffneten Raubüberfall spielen. Benutzen Sie grundsätzlich den Aufzug (Elevador Lacerda) oder den Schrägaufzug (Plano Inclinado Gonçalves). Wenn es unbedingt die Straße sein muß, dann nur mit einem Taxi.
9. Geld an Automaten beheben Sie nur bei Tag in den bewachten Vorräumen einer Bank, niemals in den überall herumstehenden Kabinen (Banco 24 Horas), besonders nicht nachts oder in unbelebten Gegenden. Nach Verlassen der Bank steigen Sie in ein Taxi und fahren eine kurze Strecke, damit Sie ein eventueller Beobachter aus den Augen verliert. Benutzen Sie statt Ihrer Kreditkarte eine Prepaid-Karte, die Sie mit dem benötigten Betrag aufladen und am ATM wieder leerräumen. Im Fall dass die Karte geklont wird, sieht der Verbrecher auf dem Bildschirm die frustrierende Aufschrift „sem saldo suficiente“ (Kein ausreichender Saldo). Bei gewissen Gelegenheiten brauchen Sie allerdings eine richtige Kreditkarte (zum Beispiel, wenn Sie einen Leihwagen mieten). Lassen   Sie diese niemals aus den Augen und überprüfen Sie regelmäßig Ihren Kontostand.
10. An stark frequentierten Straßen befinden sich in Salvador zahlreiche Fußgängerbrücken, genannt „Passarelas“. Abhängig vom Stadtbezirk kann das Überqueren dieser Brücken auch am Tag gefährlich sein. Der Vorgang ist denkbar einfach: ein Krimineller erwartet Sie am Ende der Brücke, während sein „Kollege“ hinter Ihnen den Fluchtweg versperrt. Befinden Sie sich am Ende der Brücke zwischen den beiden, werden Sie nach Vorzeigen diverser Waffen zur Herausgabe Ihrer Wertgegenstände ermuntert. Überqueren Sie daher solche Brücken immer gemeinsam mit einer ausreichenden Anzahl an Einheimischen. Ist die Brücke verlassen und Sie bemerken verdächtig herumlungernde Gestalten, ist ein schneller Sprint über die Straße in einem autofreien Moment die bessere Wahl.
11. Sollten Sie einen Bus benutzen wollen, beachten Sie bitte die Hinweise Transport mit dem Bus. Die Warnung, daß diese Busse fallweise überfallen werden ist ernstzunehmen. Der Vorgang ist sehr effizient: Der oder die Räuber steigen hinten ein und plündern als erstes die Bestände des Kassiers. Anschließend werden die Passagiere um ihre Wertgegenstände gebeten. Kürzlich wurde eine Frau für den Versuch ihr Mobiltelefon zu verstecken mit einigen kräftigen Ohrfeigen belohnt. Solche Versuche hatten aber auch schon einen tödlichen Ausgang zur Folge. Falls sich in dem Bus ein Polizist in Zivil befindet, ist eine Schießerei fast unvermeidlich. Warten Sie den Ausgang so nahe wie möglich am Boden ab. Daher: Für Touristen ist ein vertrauenswürdiger – vom Hotel gerufener – Taxifahrer die erste Wahl.
12. Sollte es trotzdem passieren und Sie werden Opfer eines Überfalls, geraten Sie nicht in Panik, der Räuber ist möglicherweise noch nervöser als Sie. Vermeiden Sie schnelle Bewegungen, die den Anschein erwecken könnten, Sie wollten Widerstand leisten. Sehen Sie dem Räuber nicht in die Augen, er könnte glauben Sie wollen sich sein Gesicht einprägen, um ihn später wiederzuerkennen. Händigen Sie ihm eine zu diesem Zweck mitgeführte Fake-Brieftasche aus, wohlgefüllt mit kleinen Real-Scheinen, abgelaufenen Kreditkarten und – im Idealfall – einem Bündel alter Lire oder ähnlichem. Der Verlust eines älteren Mobiltelefons ist leichter zu verschmerzen. Zeigen Sie den Überfall unverzüglich bei der Polizei an und verlangen Sie eine Bestätigung damit Sie gestohlene Wertgegenstände von Ihrer Versicherung ersetzt bekommen.

Manche dieser Tipps mögen übertrieben erscheinen, aber Vorsicht hat noch niemals geschadet. Wenn Sie kein Portugiesisch verstehen sind Sie in so einer Situation viel verwundbarer als jemand, der den Räuber in seiner Sprache beruhigen kann. Das Augenmerk muß also darauf liegen, erst gar nicht in so eine Situation zu geraten.

Ich habe diese wohlgemeinten Ratschläge nicht nur für Brasilien-Erstbesucher geschrieben, sondern halte mich auch selbst daran. Mit dem Resultat, daß ich in mehr als 20 Jahren von jeglicher Straßenkriminalität verschont geblieben bin.

Leider ist auch die Insel Itaparica nicht mehr frei von Kriminalität, wenn auch nicht in dem Ausmaß. Nächtliche Spaziergänge am Strand, womöglich in angeheitertem Zustand sollten daher ebenso vermieden werden , wie das auffällige Zeigen von Wertgegenständen.

Andere Gefahren

Dem unerfahrenen Besucher drohen nicht nur Gefahren duch Kriminalität, auch andere Dinge können sich hier zu gewaltigen Ärgernissen entwickeln. Beherzigen Sie daher die folgenden Ratschläge, damit Ihr Urlaub zu einem positiven Erlebnis wird.

Auf der Straße:
Nicht weniger gefährlich als die Kriminalität, ist der Straßenverkehr in Salvador. Brasilien hat zwar ein sehr fortschrittliches Straßenverkehrsgesetz aber es halten sich nur wenige daran. Überqueren Sie die die Straße auch an Ampeln zügig, nachdem Sie sich davon überzeugt haben dass die Straße frei ist.
Achtung: Um die Gefahr von Überfällen zu minimieren ist es in Salvador ab 22.00 Uhr erlaubt, die Verkehrsampeln auch bei Rot zu passieren.

Lebensmittel, Wasser:
Erwarten Sie in Straßenrestaurants und Strandlokalen nicht die von Ihnen gewohnte Sauberkeit. Bestellen Sie Gerichte, die ausreichend erhitzt wurden und trinken Sie Flüssigkeiten nur aus original verschlossenen Behältnissen.

Achtung: Wenn Sie Flüssigkeiten direkt aus der Dose trinken, reinigen Sie vorher den Deckel sorgfältig mit einer Serviette oder verlangen Sie einen Wegwerfbecher (Copo Descartável). Sie vermeiden damit unter Umständen eine Infektion mit der durch Ratten übertragenen Krankheit Leptospirose.

HIV/AIDS
Wie man hier: http://www.laenderdaten.de/gesundheit/hiv_aids.aspx sehen kann, ist auch Brasilien nicht von dieser Krankheit verschont geblieben. Daher gilt – wie überall auf der Welt:  keinesfalls ohne Kondom.

Drogen:
In aller Kürze: Lassen Sie die Finger davon. Brasilien hat schon ausreichend Probleme mit Drogen und will keine zusätzlichen importieren. Die Strafen sind hart und die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden sehr hoch.

Am Strand:
Sonne: Unterschätzen Sie nicht die UV-Strahlung der Tropensonne. Ich habe die Verbrennungen einer Person gesehen, die sich ohne Schutz – unter der Plastikplane – eines Fischerbootes aufgehalten hat und es war kein schöner Anblick. Verwenden Sie anfangs Sonnenschutz mit hohem Faktor und reduzieren Sie nach einer Zeit der Gewöhnung. Sollte es trotzdem passieren wirkt die in allen Apotheken (Farmácia) erhältliche Salbe „Hipoglós“ wahre Wunder. Vergessen Sie – besonders bei schütterem Haarwuchs – keinesfalls eine geeignete Kopfbedeckung. Auch bei bedecktem Himmel ist ein Sonnenstich mit all seinen unangenehmen Begleiterscheinungen möglich.
Wellen, Strömung: Die am offenen Antlantik gelegenen Strände nördlich von Salvador sind durch hohe Wellen und unberechenbare Strömungen (Brandungsrückströme, rip currents) nur bedingt oder gar nicht zum Schwimmen geeignet. Beherzigen Sie die Warnungen von Einheimischen und achten Sie auf die roten Warntafeln mit der Aufschrift „Perigo“ (Gefahr).

Riff: Sollten Sie den Wunsch haben während der Ebbe ein Riff zu erkunden, achten sie auf geeignete Fussbekleidung. Plastiksandalen, aus denen Sie seitlich herausrutschen, können zu schmerzhaften Schnittwunden führen. Vergessen Sie nicht vor Rückkehr des Wassers wieder den Strand aufzusuchen. Bedenken Sie bitte, dass es sich dabei um geschützte und empfindliche Ökosysteme handelt, welche schonend behandelt werden sollten.
Augenkontrolle: Alle wissen, dass es in Brasilien schöne Frauen gibt. Nicht alle wissen, dass brasilianische Männer äußerst eifersüchtig sind. Vermeiden Sie auffälliges
An- oder Nachstarren am Strand oder im Lokal. Der Ärger, der aus so einer Situation entstehen kann reicht bis zu gröberen Gewalttätigkeiten, besonders wenn auch Alkohol im Spiel ist.
Kokospalmen: Laut einer Statistik sterben jedes Jahr mehr Menschen durch herabfallende Kokosnüsse, als durch Haiangriffe. Vergessen Sie also nicht den Blick nach oben, bevor Sie es sich unter einer Kokospalme gemütlich machen.

Stechmücken:
In der Nähe von Wassertümpeln oder nach Regenfällen können diese Quälgeister zur richtigen Plage werden. Wie man sich am Besten davor schützt ist im Internet auf zahlreichen Seiten gut beschrieben. Das durch die tagaktive Mücke Stegomyia aegypti übertragene Denguefieber kommt hier trotz umfangreicher Gegenmaßnahmen der Regierung leider sehr häufig vor. Laut Tribuna da Bahia erkrankten im Jahr 2014 in Bahia 73.00 Personen, 5 davon starben. Seltener wird auch das etwas harmloser verlaufende Chikungunyafieber durch diese Mücke übertragen. Auch der Zika-Virus wird duch Stegomyia aegypti übertragen. Ich benutze zur Abwehr das überall erhältliche „Repelex“. Es schützt zuverlässig und hat keinen aufdringlichen Duft. Das „Repelex Kids“ ist auch für Kinder geeignet. Ein mitgebrachtes Reise-Mosquitonetz garantiert auch in Unterkünften ohne diese Selbstverständlichkeit eine ungestörte Nachtruhe.

Im Mato:
An anderer Stelle wurde bereits erwähnt, dass ein Spaziergang „im Wald“, wie in Europa hier nicht möglich ist. Das Dickicht des antlantischen Urwalds ist undurchdringlich, überall lauern sumpfige Tümpel und Lanzenotter, Vogelspinne & Co. wollen nicht gestört werden. Wenn es unbedingt sein muss, dann nur mit einem einheimischen Führer.

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